Ein Abend mit Peter Olney (USA), ein Aktivist aus der Streikleitung von Amazon und Christian Frings (ehemals Wildcat, Marx Herbstschule)

13. Juli – 20:30 – Alte Feuerwache Köln (Melchiorstr. 3)

„Amateure studieren Strategie, Fachleute studieren Logistik, sagte der berühmte “US-Armeegeneral Omar Bradley zur US Strategie im zweiten Weltkrieg. Bradleys Erklärung war natürlich eine Übertreibung, aber es war auch eine notwendige Korrektur. Es ist ein Punkt, an den es sich zu erinnern lohnt, wenn man die Bedeutung der Logistikbranche für die Globale-Wirtschaft diskutiert. Die moderne Wirtschaft dreht sich um die weitläufige Logistikbranche. Nichts zeigt dies deutlicher als die aktuelle Situation bei Amazon. Wenn Amazon seine jüngsten Zusagen erfüllt, wird es seine US-Belegschaft bis Ende 2018 um weitere 100.000 Arbeitskräfte aufstocken.

Die US-amerikanische Arbeiterbewegung steht derzeit mehreren existenziellen Bedrohungen gegenüber, aber Amazons ist eine besondere Art. Die rasante Expansion des Unternehmens hat die Logistikbranche revolutioniert. Am stärksten betroffen ist der United Parcel Service (UPS), der größte gewerkschaftlich organisierte private Arbeitgeber des Landes mit fast 250.000 Arbeitnehmern, die von den Teamsters vertreten werden.

UPS peitscht die Teamsters bereits mit der Drohung von Amazon, die Gewinne der Gewerkschaft zu unterbieten, um die miserablen Löhne, die an Teilzeitkräfte gezahlt werden, die unmöglichen Produktivitätsanforderungen und die Untervergabe von Gewerkschaftsarbeit an nichtgewerkschaftliche Auftragnehmer zu rechtfertigen. Zweifellos wird die Konkurrenz von Amazon dazu genutzt, während der nächsten Vertragsverhandlung weitere Zugeständnisse von den Teamstern zu fordern.

Gleichzeitig hat sich bei Amazon in Europa die wohl eigenwilligste Streikbewegung der letzten Jahre entwickelt. Hier geht es nicht darum, Angriffe auf die Arbeitsbedingungen zurückzuschlagen oder Arbeitsplätze gegen eine drohende Massenentlassung zu verteidigen. Bei Amazon wollen die Arbeiter*innen mehr: Sie wollen ein größeres Stück vom Kuchen, sie wollen den krankmachenden Arbeitsdruck abschaffen, kämpfen um ihre Würde und wollen Zugeständnisse nicht als Almosen, sondern in Form eines Tarifvertrags.
Um die Frage nach dem großen Wurf gegen Lohndruck, Gewerkschaftsfeindlichkeit zu diskutieren bringen wir die US Perspektive sowie die deutsche Streikperspektive zusammen. Gemeinsam wollen wir diskutieren, wie lassen sich transnationale Streiks organisieren und von einer außerbetrieblichen Linken unterstützen.

Am Start sind:

Peter Olney (per Skypevideo) ist pensionierter Organisationsdirektor der ILWU. Er ist seit 40 Jahren Arbeitsorganisator in Massachusetts und Kalifornien. Er hat für mehrere Gewerkschaften gearbeitet, bevor er 1997 an der ILWU landete. Drei Jahre lang war er stellvertretender Direktor des Institute for Labor and Employment an der University of California.

Der Kollege von Amazon berichtet über die tagtäglichen Schikanen, Ausbeutung und den verschiedenen Widerstandsformen bei Amazon.

Christian Frings war in dem Solidaritätskreis aktiv, der die Streikenden bei Gate Gourmet am Düsseldorfer Flughafen im Winter 2005/2006 unterstützt hat, ehemaliger Wildcat Mitarbeiter und Marx Kenner durch und durch.