Wir dokumentieren hier den Aktionsvorschlag der spanischen Beschäftigten an alle Beschäftigte von Amazon in Europa zu einem einen gemeinsamen Streiks in der zweiten Julihälfte. Sie weisen in ihrem Text darauf hin, dass nur durch die Organisation eines transnationalen Streiks Amazon nicht in der Lage sein wird, sein Logistiknetzwerk zu nutzen, um die Auswirkungen des Streiks zu schwächen. Auf der Website Amazon en Lucha ist es möglich, den Aufruf in mehrere Sprachen übersetzt zu finden.

In vielen Ländern Europas kämpfen Beschäftige von Amazon seit Jahren gegen miese Beschäftigungsverhältnisse und Gewerkschaftsfeindlichkeit bei Amazon. Seit einiger Zeit gibt es auch einen Austausch von Beschäftigten sowie den verschiedenen Gewerkschaften für eine transnationale Aktionseinheit der Beschäftigten bei Amazon. Zugleich sind die nationalen Kampfbedingungen durch unterschiedlich rechtliche Vorgaben sowie Organisierungsgrade unterschiedlich. Daher ist es vollkommen selbsterklärend, dass die Streikplanungen bei den Kampforganisation der Beschäftigten, den Gewerkschaften, liegt und niergendwo anders. In diesem Sinne, teilen wir den Aufruf der Amazon Beschäftigten in Spanien auf unsere Homepage und auf Facebook zur Dokumentation der internationalen Kämpfe und als interssanten Debattenvorschlag für eine mögliche Aktion der außerbetrieblichen Linken im Juli 2018.

Liebe Genoss*innen,

Die Kämpfe gegen den Missbrauch des multinationalen Unternehmens Amazon und für die Verteilung seiner Vorteile breiten sich in ganz Europa aus. Trotz der Strategie des Unternehmens, neue Zentren in Ländern zu eröffnen, die aus gewerkschaftlicher Sicht “ruhiger” sind, treiben die harten Arbeitsbedingungen immer mehr Arbeitnehmer dazu, gegen sie zu rebellieren.

In Polen verwenden sie ein hartes Anti-Streik-Gesetz, um miserable Gehälter durchzusetzen. In Deutschland wird weiter für einen Tarifvertrag gekämpft, der die Rechte aller Arbeitnehmer unabhängig von ihrem Zentrum garantiert. In Frankreich bleiben die sehr anspruchsvollen Maßnahmen zur Zeit- und Effizienzkontrolle bestehen. In Spanien wurden die Arbeitsbedingungen nach Ablauf des bisherigen Tarifvertrages einseitig vom Unternehmen in seinem Hauptlogistikzentrum festgelegt. In Italien, wo befristete Verträge die Regel sind, gibt es Tausende von Gelegenheitsarbeitern in den Logistikzentren. Im Rest der Welt schreibt Amazon Geschichte, verteilt aber kaum seine Millionengewinne.

Im vergangenen März haben wir in MAD4 einen intensiven Kampf um einen Tarifvertrag begonnen, der unsere historischen Rechte festschreibt und bessere Arbeitsbedingungen schafft, wie wir es verdienen. Am 21. und 22. März riefen wir zu einem Streik auf, der von über 95% der Beschäftigten unterstützt wurde. Seitdem setzen wir unser Handeln fort, um Druck auf das Unternehmen auszuüben.

Wir wissen jedoch, dass Amazon sein logistisches Netzwerk in Europa nutzt, um den Auswirkungen unserer jeweiligen Streiks entgegenzuwirken. Wir in Madrid glauben, dass wir nur dann Anerkennung für unsere Forderungen finden, wenn wir gemeinsam kämpfen. Ebenso werden sich die Arbeitnehmer nur mit einer gemeinsamen Aktion auf europäischer Ebene dort organisieren, wo es noch keine gewerkschaftliche Vertretung gibt.

Aus diesen Gründen fördern wir die Idee eines europäischen Generalstreiks in der zweiten Juliwoche. Dann ist Prime Day, ein Tag, an dem Amazon Millionen von Produkten an einem seiner wichtigsten Verkaufstage verkaufen will. Die Idee ist, dass, wenn keine Zugeständnisse an die Beschäftigte gemacht werden, dieser Tag nicht stattfinden wird.

In den folgenden Wochen werden wir mit allen Zentren Kontakt aufnehmen, um die Idee zu diskutieren und im Rahmen dieser historischen Mobilisierung zusammenzuarbeiten.

Gesundheit und menschenwürdige Arbeitsplätze für alle Amazon-Arbeiter*innen! Für den Sieg immer!