Proteste gegen schlechte Arbeitsbedingungen, Tarifflucht und Gewerkschaftsfeindlichkeit bei Amazon in Berlin

Am 24. April 2018 veranstaltet der Axel-Springer-Verlag eine Feier der besonderen Art. Zu Gast ist der reichste Mann der Welt, Jeff Bezos, Chef des globalen Onlinehandelskonzern Amazon. Der Springer-Preis soll Bezos „visionäres Geschäftsmodell“ ehren.

Der Online-Händler Amazon hat in nicht einmal 20 Jahren die Einkaufsgewohnheiten der Menschen revolutioniert, das Internet kommerzialisiert und seine Marktmacht rasant ausgebaut. Jeff Bezos ist mit geschätzten 100 Milliarden Euro Privatvermögen der reichste Mann der Welt und will noch mächtiger werden. Amazon ist Taktgeber des digitalen Kapitalismus und steht für die lächelnde digitale Zukunft, die angeblich das Leben aller besser macht. Maria Raschke, Pressesprecherin der Kampagne „Make amazon Pay“ erklärt dazu: „Amazon Zukunftsmodel heißt: Keine Tarifverträge, Lohndruck und prekäre Jobs, Arbeitshetze und permanente Überwachung. Das ist nicht unsere Zukunft!“

Unterschiedliche gesellschaftliche Akteure wie etwa Beschäftigte von Amazon aus Deutschland und Polen, Syndikalistinnen, Gewerkschafterinnen von ver.di, Mitglieder von der Partei die.Linke sowie linke und autonome Gruppen rufen zum Protesten gegen diese Preisverleihung auf. Die Kampagne „Make Amazon Pay“ hat am letzten Samstag zu einem Vorbereitungstreffen in Berlin eingeladen. Auf dem Treffen waren sich alle Akteure einig: in der ersten Reihe des Protests wird die Perspektive der Amazon-Beschäftigten stehen. Am 24. April 2018 kommen Beschäftigte von Amazon nach Berlin, um gegen die Preisverleihung zu protestieren und ihrem Chef höchstpersönlich „Feedback“ zu geben. Eine Protestkundgebung um 18 Uhr vor dem Axel-Springer-Hochhaus in Berlin Kreuzberg (Axel Springer Str. 65, 10888 Berlin) ist in Vorbereitung.

„Der Internationale Gewerkschaftsbund (IGB) hat den Amazon-Gründer Jeff Bezos im Jahr 2014 aus guten Grund zum schlimmsten Chef des Planeten gekürt,“ erklärt Maria Raschke, „Bezos Geschäftsmodell hat eine wesentliche Grundlage: Die Ausbeutung von Arbeitskräften wird mit System organisiert. In Amazons Logistik-Zentren werden die Beschäftigten über Handscanner in ihren Arbeitsschritten kontrolliert, mit „Feedback“-Gesprächen durch Vorgesetzte eingeschüchtert und zu noch höherem Arbeitstempo und Wettbewerb getrieben. „Solche Arbeitsbedingungen sind krank und machen krank“, erklärt Raschke weiter: „Am 24.04 werden wir gemeinsam mit Amazon-Beschäftigten Jeff Bezos , höchstpersönlich ein „Feedback“ geben und solidarisch anknüpfen an die nun seit fünf Jahren kontinuierlich laufenden Streiks und Proteste der Amazon-Beschäftigten in Deutschland.“

Make amazon Pay betont, dass es bei der Aktion nicht allein um die laufenden Tarifauseinandersetzungen geht. Amazon ist einer der „Big Five“, der fünf großen Internetgiganten, Vorreiter für den penetranten Zugriff auf unsere persönlichsten Daten ist. Die Vorlieben, Wünsche und auch Ängste werden komplett durchleuchtet und ermöglichen so den Zugriff auf immer mehr Lebensbereiche. Ziel ist es, Profit damit zu erwirtschaften, die Bedürfnisse zu beeinflussen und im selben Zug zu befriedigen, sodass eine immer stärkere Abhängigkeit zu diesem Konglomerat an digital agierenden Unternehmen entsteht.

Make amazon Pay ist mit einer Aktionswoche zum sogenannten Black Friday im November letzten Jahres zum ersten Mal in Erscheinung getreten. Die Kampagne sieht sich als Unterstützungsaktion der betrieblichen Auseinandersetzungen bei Amazon. „Die Bestimmung unserer Zukunft und unserer Bedürfnisse überlassen wir nicht Bezos und dem Springer-Verlag!“, so Maria Reschka abschließend.

Für weitere Nachfragen: presse@makeamazonpay.org

Homepage: https://makeamazonpay.org